junge
nachdem ich die tage damit verbringe, irgendetwas zusammen zu schrauben, anzubohren und auszuräumen, lese ich neuerdings wieder. ich las den anfang eines gehypten buchs namens junge. der name des autoren ist mir wieder entfallen, sie können es bei amazon nachschlagen, wenn es sie interessiert. er kommt direkt von der literatenfabrik hildesheim und wie alle gut ausgebildeten poeten hat er eine saubere sprache, da kann man wirklich nichts gegen sagen, kritiker meinen sogar eindringlich, aber in mich ist er bei dieser kurzen kostprobe noch nicht gedrungen. es geht, so wie ich es dem deckeltext entnommen habe, um einen jungen, der sein langweiliges leben beschreibt. und so war es auch auf den ersten seiten. ein junge erzählt in inadäquat poetischen bildchen und unter zuhilfenahme vieler seltsamer worte und natürlich einer menge starker adjektive langweilige dinge. seine umgebung. was er sieht. ohne reflexion. nur poetisch aufgepumpte oberfläche. es ist sein abschlussroman. seine masterarbeit im fach literatur. suhrkamp hat ihn sich gleich von der schule weggekauft und die kritiker erwähnen stets, weil das wohl das interessanteste an diesem schlacksigen jungen herrn ist, dass er früher gerappt hat.
ich kann mit so einem totalen rückzug ins private nicht viel anfangen, muss ich sagen. es ist halt romantik, die nichts anderes will, als ein bisschen vor sich hinzuträumen und niemandem auf den fuß zu treten. wahrscheinlich kann man sich deshalb so gut auf so etwas einigen. was soll man auch schon gegen ein sehr langes gedicht über die oberflächenstrukturen der außenwelt sagen? es tut schließlich niemandem weh, in manche dringt es gar ein.
abends im bett lese ich anna katharina hahn. das ist weit netter, wenn auch ein bisschen zu detailverliebt, klischeehaft und zynisch für meinen geschmack. da geht es wenigstens um was. da geht es um eine wohlgeordnete bürgerlichkeit, die da ankam, wo sie hinwollte und natürlich immer noch nicht glücklich ist, sondern lauter störungen unter der oberfläche aufweist.
vermutlich dauert es noch etwas, bis ich wieder zum schreibtisch zurückfinde. die lampen müssen noch angebaut werden, die regale aufgestellt und mit büchern befüllt, ich muss mich ordnungsgemäß am neuen wohnsitz anmelden, papiere verschicken und andere zusammensuchen. doch die neue wohnung ist riesig und komfortabel. das geschirr wird von einer maschine gesäubert und es gibt endlich wieder eine badewanne. hinter dem haus fließt die spree entlang und vor dem fenster wiegen die kronen der birken hin und her. sehr angenehm.