kaltes wasser
manchmal träume ich noch von der wohnung meiner großmutter, aus der sie vor 15 jahren ausgezogen ist, von dem langen, dunklen flur, an dessen ende ein wenig licht vom schlafzimmer auf die wand geworfen wurde, wenn dir tür offen stand. der flur war wie ein weiteres zimmer, mehr eine höhle, aber es war ein sofa darin und die enkelkinder sammelten sich am liebsten dort, in der dunkelsten und gemütlichsten ecke der wohnung. nach der schule ging ich gern und mit leichten schritten zu meiner großmutter, denn es war immer warm und herzlich dort, nie fühlte man sich fehl am platz, immer willkommen, ganz im gegensatz zu meinem elternhaus, in dem ich mich immer unwohl fühlte, wo es keine dunklen, gemütlichen ecken gab. ich erinnere mich an den hund der nachbarin, ein schwarzer, großer hund, der bellte, wenn man den hof betrat. wir hatten angst vor ihm und standen oft fasziniert am zaun, um ihn zu beobachten. auf dem dorf sind die hunde aggressiver, es ist eins der ersten dinge, die mir in der stadt aufgefallen sind, dass die hunde entspannt durch die gegend laufen und überhaupt nicht daran denken, ihr revier zu verteidigen, wohingegen die hunde aus dem dorf regelmäßig ausrasten, wenn sie einem anderen hund begegnen. der hund, den wir hatten, war immer wieder in blutige kämpfe verwickelt, bei denen es schwer war, die hunde wieder auseinander zu bekommen, ohne sich in gefahr zu bringen. man sagte mir, dass man einen eimer kaltes wasser über die ineinander verbissenen hunde schütten solle, dann gingen sie auseinander undich fragte mich schon damals, wo man denn so schnell einen eimer kaltes wasser herbekommen soll.

